{"id":5550,"date":"2019-07-10T08:10:22","date_gmt":"2019-07-10T06:10:22","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5550"},"modified":"2019-07-30T08:41:48","modified_gmt":"2019-07-30T06:41:48","slug":"ilo-bericht-dokumentiert-weltweiten-angriff-auf-loehne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/?p=5550","title":{"rendered":"ILO-Bericht dokumentiert weltweiten Angriff auf L\u00f6hne"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Nick Beams.<\/em> Der Anteil der Arbeiter am Welteinkommen ist in den letzten zwanzig Jahren \u201eerheblich\u201c gesunken. Das geht aus dem \u201eGlobal Wage Report\u201c hervor, den die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> vor zwei Tagen ver\u00f6ffentlicht hat. Er dokumentiert eine systematische Umverteilung des Verm\u00f6gens zugunsten der Kapitalbesitzer und Spitzenverdiener.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Weltweit sinkt der Anteil der Arbeiter am\nNationaleinkommen. Er ist von 53,7 Prozent im Jahr 2004 auf 51,4 Prozent im\nJahr 2017 zur\u00fcckgegangen. Der auf Kapitalbesitzer entfallende Anteil hingegen\nist von 46,3 Prozent auf 48,6 Prozent gestiegen. Dieser anhaltende Trend wurde\ndurch die globale Finanzkrise 2008\/2009 nur vor\u00fcbergehend unterbrochen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die allgemeine Umverteilung des Reichtums von der\nArbeit zum Kapital ist jedoch nur ein Teil des Gesamtbilds.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine der wichtigsten Erkenntnisse des Berichts\nbetrifft die Vertiefung der sozialen Ungleichheit. Das Einkommen wird von den\nobersten Schichten abgesch\u00f6pft \u2013 zu Lasten der mittleren Einkommensbezieher,\ndefiniert als die mittleren 60 Prozent der Arbeitnehmer. Ihr Anteil am\nGesamtarbeitseinkommen sank von 44,8 Prozent im Jahr 2004 auf 43 Prozent 2017.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein \u201ewesentliches Ergebnis\u201c des Berichts lautet: \u201eDie\nDaten zeigen, dass relativ gesehen ein Anstieg der obersten Arbeitseinkommen\nmit Verlusten f\u00fcr alle anderen einhergeht, wobei der Einkommensanteil sowohl\nder Mittelschicht als auch der Arbeiter in den unteren Einkommensschichten\nsinkt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies gilt insbesondere f\u00fcr die gro\u00dfen\nVolkswirtschaften. \u201eIn mehreren Hocheinkommensl\u00e4ndern\u201c, hei\u00dft es in dem\nBericht, \u201eentwickelte sich die Verteilung der Arbeitseinkommen im Zeitraum 2004\nbis 2017 nach dem Muster der \u201aHockeyschl\u00e4ger-Kurve\u2018: erhebliche Verluste f\u00fcr\ndie mittlere und untere Mittelschicht und gro\u00dfe Gewinne f\u00fcr die Spitze. Dieses\nMuster findet sich unter anderem in Deutschland, den Vereinigten Staaten und\ndem Vereinigten K\u00f6nigreich.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders ausgepr\u00e4gt war dieses Ph\u00e4nomen in\nGro\u00dfbritannien. Dort erlitten die Einkommensbezieher in der Spanne vom 7. bis\nzum 50. Perzentil die gr\u00f6\u00dften Verluste. Die ILO stellt des Weiteren fest, dass\ndie Steigerungen bei den Spitzenverdienern in Gro\u00dfbritannien \u201eausgepr\u00e4gter\u201c\nwaren als in den USA und Deutschland.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf globaler Ebene ergab der Bericht, dass die\nobersten zehn Prozent 48,9 Prozent des gesamten Arbeitseinkommens erhielten.\nAuf das n\u00e4chste Dezil entfielen 20,1 Prozent und auf die \u00fcbrigen 80 Prozent der\nLohn- und Gehaltsempf\u00e4nger 31,0 Prozent. Die unteren 20 Prozent erhielten nur 1\nProzent des gesamten Arbeitseinkommens.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Roger Gomis, ein \u00d6konom der ILO, kommentierte den\nBericht mit den Worten: \u201eDie Mehrheit der Besch\u00e4ftigten weltweit hat unter\nauffallend niedrigen L\u00f6hnen zu leiden, und f\u00fcr viele bedeutet einen Job zu\nhaben nicht, dass es zum Leben reicht. Der Durchschnittslohn der unteren H\u00e4lfte\nder Weltarbeiterschaft betr\u00e4gt nur 198 Dollar pro Monat, und die \u00e4rmsten 10\nProzent m\u00fcssten mehr als dreihundert Jahre arbeiten, um so viel zu verdienen\nwie die reichsten 10 Prozent in einem Jahr.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Reihe von Faktoren haben zu dieser Situation\nbeigetragen. Erstens sind die ILO-Daten eine weitere Best\u00e4tigung der Analyse\nvon Karl Marx, die von b\u00fcrgerlichen \u00d6konomen seit Jahrzehnten bestritten wird:\ndass die kapitalistische Produktionsweise mit objektiver Notwendigkeit zur\nAnh\u00e4ufung von massivem Reichtum an einem Pol und zu Armut und Elend am anderen\nPol der Gesellschaft f\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Logik wurde durch die Politik der Regierungen\nund Finanzinstitute auf der ganzen Welt verst\u00e4rkt, insbesondere seit der\nglobalen Finanzkrise 2008.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Billionen wurden in das Finanzsystem gepumpt, um den\nKurs von Aktien und anderen Wertpapieren in die H\u00f6he zu treiben. Dies war einer\nder wichtigsten Mechanismen, um Verm\u00f6gen ans obere Ende der Einkommensskala zu\nschaufeln. Ein gro\u00dfer Teil des Einkommenszuwachses bei den oberen 10 Prozent\nstammt aus den Einnahmen derjenigen, die bei spekulativen Finanzgesch\u00e4ften ganz\nvorne mit dabei sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig treiben die Regierungen die Umverteilung\ndurch Steuersenkungen zugunsten von Spitzenverdienern voran. Das j\u00fcngste\nBeispiel sind die umfassenden Steuersenkungen f\u00fcr Reiche, die das australische\nParlament vorgestern mit den Stimmen beider gro\u00dfer Parteien nach dem Vorbild\nder Trump-Regierung verabschiedet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was diesen Prozess jedoch \u00fcberhaupt m\u00f6glich machte,\nwar die Rolle der Gewerkschaftsb\u00fcrokratien und sozialdemokratischen Parteien,\ndie den Widerstand der Arbeiterklasse nach Kr\u00e4ften unterdr\u00fcckten. \u00dcberall auf\nder Welt wurden die im ILO-Bericht dokumentierten Reallohnk\u00fcrzungen von den\nGewerkschaften organisiert und mitgetragen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dies ist nicht nur das Ergebnis der Kriecherei und des\nVerrats einzelner Gewerkschaftsf\u00fchrungen, so \u00fcbel diese sein m\u00f6gen. Es ergibt\nsich aus dem Charakter der Gewerkschaften selbst, die in nationalen Strukturen\nverwurzelt und national orientiert sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Antwort auf die Globalisierung von Produktion und\nFinanzen in den letzten drei Jahrzehnten bestand darin, ihre \u201eeigene\u201c\nkapitalistische Klasse durch K\u00fcrzungen der Reall\u00f6hne und verschlechterte\nArbeitsbedingungen \u201einternational wettbewerbsf\u00e4higer\u201c zu machen. Dabei haben\nsie eine Verwandlung durchgemacht: von Organisationen, die einst eine gewisse\nVerteidigung der L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen im Rahmen des Profitsystems\nbetrieben, in die wichtigsten Handlanger der Diktate und Forderungen des\nKapitals.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In dieser Rolle wurden sie von allen pseudolinken\nOrganisationen unterst\u00fctzt. Diese Leute verbreiten die t\u00f6dliche Illusion, dass\ndie K\u00e4mpfe der Arbeiter von den Gewerkschaften gef\u00fchrt werden m\u00fcssen und dass\neine Ver\u00e4nderung der Gesellschaft nur durch die etablierten Parteien\nherbeigef\u00fchrt werden kann \u2013 in den USA durch die Demokratische Partei und in\nanderen L\u00e4ndern durch die Sozialdemokraten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch nun ist ein neuer Faktor ins Spiel gekommen. Die\nverst\u00e4rkte Daueroffensive der herrschenden Eliten ruft zunehmende Klassenk\u00e4mpfe\nhervor: Streiks von Lehrern und Erziehern in den USA und anderswo, die Bewegung\nder Gelbwesten in Frankreich, spontane Streiks in Mexiko, Arbeitsniederlegungen\ngegen stagnierende L\u00f6hne in Europa und Massenproteste in Nordafrika.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die wichtigste Aufgabe dieser wachsenden, aber noch im\nAnfangsstadium befindlichen Bewegung besteht in der Entwicklung eines Programms\nund einer Perspektive. Dieses Programm muss sich auf das Verst\u00e4ndnis st\u00fctzen,\ndass alle gro\u00dfen sozialen Fragen, die vor der Arbeiterklasse stehen \u2013 und in\nder zunehmenden sozialen Ungleichheit besonders deutlich werden \u2013 auf die Krise\ndes kapitalistischen Weltsystems zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das bedeutet, dass sie nur mit einem Programm gel\u00f6st\nwerden k\u00f6nnen, das ebenfalls auf die systemische Wurzel dieser Probleme\nausgerichtet ist. Die zunehmenden K\u00e4mpfe der Arbeiter auf der ganzen Welt\nm\u00fcssen mit einem internationalistischen sozialistischen Programm ausgestattet\nwerden, das auf den Sturz des Profitsystems und die \u00dcbernahme der politischen\nMacht durch die Arbeiterklasse abzielt. Um diesen Kampf zu f\u00fchren, muss die\nWeltpartei der sozialistischen Revolution aufgebaut werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/07\/06\/pers-j06.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em>\nvom 9, Juli 2019 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nick Beams. Der Anteil der Arbeiter am Welteinkommen ist in den letzten zwanzig Jahren \u201eerheblich\u201c gesunken. 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