{"id":15428,"date":"2025-05-12T11:32:08","date_gmt":"2025-05-12T09:32:08","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15428"},"modified":"2025-05-12T11:32:09","modified_gmt":"2025-05-12T09:32:09","slug":"136-vertreter-israels-4-palaestinas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/?p=15428","title":{"rendered":"136 Vertreter Israels, 4 Pal\u00e4stinas"},"content":{"rendered":"<p><strong>Zu einseitig, zu stereotyp, zu proisraelisch. Seit anderthalb Jahren stehen deutsche Medien f\u00fcr ihre Nahost-Berichterstattung in der Kritik. Eine Auswertung von 470 Tagesschau-Sendungen seit dem 7. Oktober 2023 zeigt: Es ist noch viel schlimmer.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Audiatur et altera pars (\u201eMan h\u00f6re auch die andere Seite\u201c). Diese r\u00f6mische Juristen-Floskel taucht in gef\u00fchlt jedem zweiten Journalismus-Handbuch auf. Zu Recht. Das Gebot, m\u00f6glichst perspektivenreich zu berichten, geh\u00f6rt zu den Grundlagen journalistischen Handwerks \u2013 festgeschrieben in <a href=\"https:\/\/www.die-medienanstalten.de\/fileadmin\/user_upload\/Rechtsgrundlagen\/Gesetze_Staatsvertraege\/Medienstaatsvertrag_MStV.pdf\">Medienstaatsvertr\u00e4gen<\/a>, <a href=\"https:\/\/hilfe.ard.de\/artikel\/vielfalt-der-berichterstattung-1\/\">Programmauftr\u00e4gen<\/a>, <a href=\"https:\/\/neuemedienmacher.de\/wissen-tools\/diversity-im-medienhaus\/\">Presse-Ratgebern<\/a> und den <a href=\"https:\/\/www.dfjv.de\/ueber-uns\/ethik-kodex\">Selbstverpflichtungen von Journalistenvertretungen<\/a>.<\/p>\n<p>Soweit die Theorie. Sp\u00e4testens seit dem 7. Oktober 2023 hat der Glaube an die realexistierende Perspektivenvielfalt deutscher Medien arge Risse bekommen. Israelische Perspektiven w\u00fcrden unkritisch \u00fcbernommen, pal\u00e4stinensische Stimmen zum Schweigen gebracht. So <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/fernsehen\/sendungen\/zapp\/Vertrauen-verloren-Deutsche-Medien-Gaza-Israel-Krieg,zapp14600.html\">klagen Kritiker<\/a> immer wieder. Zu Recht?<\/p>\n<p>Um das herauszufinden, habe ich mir das Aush\u00e4ngeschild des deutschen Nachrichtenjournalismus genauer angeschaut: die Tagesschau. Wer kommt in Deutschlands renommiertesten Nachrichtenformat zu Wort und wer nicht? Wie oft h\u00f6ren wir israelische Perspektiven, wie oft pal\u00e4stinensische und wie oft jene unabh\u00e4ngiger Akteure wie Menschenrechtsorganisationen und internationale Organisationen?<\/p>\n<p>Gefunden habe ich einen extremen Bias zugunsten offizieller israelischer Standpunkte. Benachteiligt werden nicht nur pal\u00e4stinensische Perspektiven. Auch unabh\u00e4ngige Akteure und Personen, die dem Krieg in Nahost kritisch gegen\u00fcber stehen, kommen in der Tagesschau auff\u00e4llig selten zu Wort.<\/p>\n<p><strong>So wurde gez\u00e4hlt<\/strong>: Untersucht habe ich alle 20-Uhr-Nachrichten der Tagesschau, begonnen am Tag des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023 bis zum 18. Januar 2025 \u2013 dem vorl\u00e4ufig letzten Tag des Krieges, bevor die mittlerweile wieder gebrochene Waffenruhe in Kraft trat. Aussortiert habe ich alle Sendungen ohne direkten Nahost-Bezug. Auch Beitr\u00e4ge mit rein innenpolitischen Bezug zum Thema spielten keine Rolle (z.B. Antisemitismus in Deutschland, pro-pal\u00e4stinensische Proteste an US-Unis). So blieben von insgesamt 470 Sendungen noch 312 \u00fcbrig. In diesen habe ich jede Person gez\u00e4hlt, die in Bild und Ton zu Wort kam, Tagesschau-Sprecherinnen und Korrespondenten ausgenommen. Insgesamt waren das 672 Personen. Ob die Aufnahmen von der Tagesschau selbst, von anderen Medien oder aus Regierungskan\u00e4len stammen, spielte keine Rolle. Entscheidend war: Welche Perspektiven bekommt das Tagesschau-Publikum zu Gesicht und welche nicht.<\/p>\n<p><strong>Nur Israel darf sich selbst erkl\u00e4ren<\/strong><\/p>\n<p>Man werde die \u201cFeinde beseitigen und die Sicherheit wiederherstellen\u201d, versprach Benjamin Netanjahu in der Tagesschau vom 7. Oktober 2023. Der israelische Ministerpr\u00e4sident ist der mit Abstand h\u00e4ufigste O-Ton-Geber in den Abendnachrichten. In 63 Sendungen war er zu h\u00f6ren und zu sehen. Gemeinsam mit seinen Kollegen aus Politik und Milit\u00e4r brachten es offizielle israelische Vertreter in den 20 Uhr-Nachrichten der Tagesschau auf insgesamt 136 Auftritte.<\/p>\n<p>Als einziger Konfliktpartei gibt die Tagesschau Israel regelm\u00e4\u00dfig die Gelegenheit, die eigenen Kriegsziele zu erl\u00e4utern, zu Anschuldigungen Stellung zu nehmen oder ihre Deutung aktueller milit\u00e4rischer Angriffe zu pr\u00e4sentieren. Dabei scheint es unerheblich, von wem Anschuldigungen und Aggressionen ausgehen.<\/p>\n<p>Egal ob aus Gaza Israel angegriffen wird oder Israel Gaza angreift, die UN Israel kritisiert oder Israel die UN, Iran Raketen auf Israel schie\u00dft oder vice versa, meist pr\u00e4sentiert die Tagesschau dazu die Einsch\u00e4tzung eines israelischen Regierungspolitikers oder Armeesprechers. H\u00e4ufig ist diese sogar die einzige.<\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"728\" height=\"470\" src=\"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15429\" style=\"width:840px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx.jpg 728w, https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 728px) 100vw, 728px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Pal\u00e4stina so relevant wie Luxemburg und Spanien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Offizielle pal\u00e4stinensische Stimmen sind in der Tagesschau kaum zu h\u00f6ren. Das gilt f\u00fcr Repr\u00e4sentanten aus dem Gazastreifen genauso wie f\u00fcr jene aus dem Westjordanland, f\u00fcr Vertreter der Hamas ebenso wie f\u00fcr jene von Fatah, der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde, der PLO und aller anderen pal\u00e4stinensischen Gruppierungen und Institutionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den 136 Auftritten israelischer Milit\u00e4rs und Politiker standen in 16 Monaten Nahost-Berichterstattung der Tagesschau gerade einmal 4 Auftritte pal\u00e4stinensischer Politiker gegen\u00fcber. Auf genauso viele Statements brachte es Israels Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu allein in den ersten acht Tagen des Krieges. Pal\u00e4stinensische Repr\u00e4sentanten und ihre Perspektive auf den Krieg in Nahost bekamen in der Tagesschau damit \u00e4hnlich viel Raum wie jene Luxemburgs (3 Auftritte) und Spaniens (5 Auftritte).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Monate, 83 Sendungen und 59 Auftritte israelischer Milit\u00e4rs und Politiker vergingen, bis das Tagesschau-Publikum am 3. Januar 2024 mit Hamas-Chef Ismail Haniyya erstmals einen pal\u00e4stinensischen Politiker zu Gesicht bekam. Ein Vertreter der Fatah-dominierten Regierung in Ramallah kommt erstmals \u00fcber acht Monate nach Kriegsbeginn in der Tagesschau zu Wort: Am 11. Juni 2024 begr\u00fc\u00dft der UN-Botschafter Pal\u00e4stinas Riyad Mansour eine Resolution des UN-Sicherheitsrates. Der vom Westen anerkannte pal\u00e4stinensische Pr\u00e4sident Mahmoud Abbas und sein Ministerpr\u00e4sident Mohammad Mustafa waren in der Tagesschau bisher kein einziges Mal zu h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn Pal\u00e4stinenser, dann als Betroffene<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgeglichener erscheint das Verh\u00e4ltnis bei Menschen, die als Privatpersonen zu Wort kommen. Hierbei handelt es sich vor allem um Betroffene des Krieges, aber auch Demonstrantinnen oder zuf\u00e4llig befragte Passanten habe ich dieser Kategorie zugeordnet. Hier stehen 99 pal\u00e4stinensische Stimmen 89 israelischen gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ber\u00fccksichtigt man, dass es f\u00fcr die Tagesschau angesichts einem Vielfachen israelischer Angriffe und pal\u00e4stinensischer Opfer, wesentlich mehr nachrichtliche Anl\u00e4sse gab, um pal\u00e4stinensische Betroffene zu Wort kommen zu lassen, erscheinen israelische Perspektiven aber auch hier \u00fcberrepr\u00e4sentiert zu sein. So handelt es sich bei 53 der 89 israelischen Stimmen allein schon um die Geiseln und Opfer des Angriffs vom 7. Oktober sowie deren Angeh\u00f6rige und Unterst\u00fctzerinnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"734\" height=\"531\" src=\"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15430\" srcset=\"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx-1.jpg 734w, https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx-1-300x217.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 734px) 100vw, 734px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Israelische Anti-Terror-Experten, Pal\u00e4stinensische \u00c4rzte,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Pal\u00e4stinenser f\u00fcr die Tagesschau-Redaktion fast nur als Betroffene Relevanz haben, zeigt sich auch bei der dritten Kategorie an O-Ton-Gebern. Hier habe ich Personen zusammengefasst, die aufgrund ihrer beruflichen Besch\u00e4ftigung mit dem Thema befragt werden, ohne dabei eine politische Institution zu vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit 17 Israelis und 15 Pal\u00e4stinensern scheint auch hier das Verh\u00e4ltnis ausgeglichen. Gro\u00dfe Unterschiede gibt es, schaut man sich an, welche israelischen und pal\u00e4stinensischen Fachleute die Tagesschau genau ausw\u00e4hlt. W\u00e4hrend auf israelischer Seite vor allem ehemalige Angeh\u00f6rige des Sicherheitsapparates sowie weitere \u201cSicherheits-\u201d und \u201cAnti-Terrorexperten\u201d zu Wort kommen (10 von 17), sind es auf pal\u00e4stinensischer Seite vor allem \u00c4rzte, Krankenhausdirektoren und Rettungskr\u00e4fte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pal\u00e4stinenser in der Rolle von Experten, die sich etwa als V\u00f6lkerrechtlerinnen oder Politikwissenschaftler akademisch mit dem Thema besch\u00e4ftigen, kamen in der Tagesschau-Berichterstattung seit dem 7. Oktober 2023 nicht vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Baerbock, Biden, Blinken<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Israels engste Verb\u00fcndete erhielten in der Tagesschau vergleichsweise viel Sendezeit. Politische und milit\u00e4rische Vertreter und Vertreterinnen aus Deutschland waren 52-mal, jene aus den USA 39-mal zu Gast. Ist in der Tagesschau eine politische Stimme aus Deutschland zu h\u00f6ren, handelte es sich in den meisten F\u00e4llen um Annalena Baerbock. In 312 Sendungen mit Nahost-Bezug brachte es die Bundesau\u00dfenministerin auf insgesamt 30 Auftritte. Die h\u00e4ufigsten US-amerikanischen Stimmen sind die von US-Pr\u00e4sident Joe Biden (13 Auftritte) und Au\u00dfenminister Antony Blinken (11 Auftritte).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mitglieder der Opposition oder Politiker, die der Nahostpolitik der Bundesregierung kritisch gegen\u00fcberstehen, spielten in der Berichterstattung der Tagesschau so gut wie keine Rolle. Die einzigen Ausnahmen in 16 Monaten Nahost-Berichterstattung waren zwei Einspieler aus Bundestagsdebatten, in denen am 11. und 12. Oktober 2023 in der Tagesschau zwei Stimmen aus CDU\/CSU und je ein von Linke und AfD zu h\u00f6ren sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"822\" height=\"506\" src=\"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-15431\" srcset=\"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx-2.jpg 822w, https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx-2-300x185.jpg 300w, https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/bildx-2-768x473.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 822px) 100vw, 822px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Vereinten Nationen als (einziger) Gegenspieler Israels<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vertreter internationaler Organisationen wie den Vereinten Nationen (UN), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder dem Internationalen Gerichtshof (IGH) kamen in der Tagesschau 51-mal zu Wort. Am h\u00e4ufigsten war UN-Generalsekret\u00e4r Ant\u00f3nio Guterres mit 8 Auftritten vertreten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auff\u00e4llig ist, in welcher Rolle ihre Vertreter von der Tagesschau besetzt werden: Mit Blick auf ihre fachliche Expertise, politischen Neutralit\u00e4t und v\u00f6lkerrechtliche Bedeutung k\u00f6nnte man annehmen, dass O-T\u00f6ne von Vertretern internationaler Organisationen dazu dienen, die widerstreitenden Perspektiven der Konfliktparteien um eine vergleichsweise objektive Sicht der Dinge zu erg\u00e4nzen. Stattdessen stellt die Tagesschau die Perspektiven von UN und israelischer Regierung oft als gleichberechtigte Gegens\u00e4tze gegen\u00fcber.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Beispiele von vielen: Als am 14. M\u00e4rz 2024 OCHA-Sprecher Georgios Petropoulos auf die humanit\u00e4re Katastrophe im Gazastreifen infolge der israelischen Belagerung hinweist, blendet die Tagesschau als n\u00e4chstes einen Sprecher des israelischen Verteidigungsministeriums ein, der die Schuld internationalen Organisationen zuweist. Als am 10. Dezember 2024 Israels Premier Benjamin Netanjahu die Angriffe auf Syrien rechtfertigt, erscheint als n\u00e4chstes der UN-Sondergesandte f\u00fcr Syrien, Geir Pedersen, der die Angriffe kritisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gewisserma\u00dfen \u00fcbernimmt die Tagesschau damit eine Erz\u00e4hlung der israelischen Regierung, wonach es sich bei UN, WHO oder IGH nicht um neutrale Institutionen, sondern um Gegner Israels handelt. Diese Gegen\u00fcberstellung wirkt umso st\u00e4rker, da die eigentlichen Gegner Israels (Hamas, Hisbollah, Huthis, Iran\u2026) in der Berichterstattung der Tagesschau kaum zu Wort kommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kaum Stimmen humanit\u00e4rer Organisationen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberraschend ist auch, welche Stimmen in der Tagesschau nicht zu h\u00f6ren sind: UNRWA-Generalkommissar Philippe Lazzarini, dessen Organisation mit Tausenden Mitarbeitern f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der humanit\u00e4ren Versorgung im Gazastreifen verantwortlich ist, war in 16 Monaten Berichterstattung nur ein einziges mal zu h\u00f6ren. Die UN-Sonderbeauftragte f\u00fcr Pal\u00e4stina Francesca Albanese kam in der Tagesschau ebenfalls nicht zu Wort. In vielen internationalen Medien geh\u00f6ren Lazzarini und Albanese zu den bekanntesten und vehementesten Kritikern der israelischen Kriegsf\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Vertreter privater Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen h\u00f6rt man in der Tagesschau auff\u00e4llig selten. In Gaza aktive NGOs wie \u00c4rzte ohne Grenzen und Save The Children kamen in der Tagesschau ebenso wenig Raum wie Vertreter der gro\u00dfen Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch \u2013 und das obwohl diese seit Beginn des Krieges regelm\u00e4\u00dfig umfassende Berichte zum Ausma\u00df von Krieg und humanit\u00e4rer Katastrophe ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lediglich 2 von 672 Stimmen in 16 Monaten Berichterstattung geh\u00f6rten Vertretern von NGOs, die das Leben im Gazastreifen t\u00e4glich aus n\u00e4chster N\u00e4he erleben und so am ehesten dazu beitragen k\u00f6nnen, den Nebel des Krieges zu lichten. Auf so viele Statements kommen Vertreter aus Israels Milit\u00e4r und Politik h\u00e4ufig in einer einzelnen Sendung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das gilt auch f\u00fcr die Tagesschau-Sendung, die die letzte dieses Krieges h\u00e4tte werden k\u00f6nnen \u2013 w\u00e4re die Waffenruhe nicht Mitte M\u00e4rz wieder gebrochen worden. Am Abend vor Inkrafttreten des Waffenstillstandes vom 19. Januar 2025 gibt die Tagesschau einem mittlerweile allzu bekannten Gast Gelegenheit f\u00fcr seinen 63. Auftritt: \u201eWenn es n\u00f6tig ist, erneut zu k\u00e4mpfen, werden wir das tun. Auf neue Weise und mit neuer Macht und Kraft.\u201d Die Berichterstattung der Tagesschau \u00fcber den Krieg in Nahost endet vorerst wie sie 16 Monate zuvor begonnen hat: mit einem Statement von Israels Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>#Titelbild: Das Aufmacherbild zeigte alle Auftritte israelischer (blau eingef\u00e4rbt), pal\u00e4stinensischer (gr\u00fcn) und libanesischer (gelb) Politiker und Milit\u00e4rs in den 20-Uhr-Nachrichten der Tagesschau vom 7. Oktober 2023 bis 3. Januar 2024. Eine Collage zum ganzen Untersuchungszeitraum w\u00e4re \u00e4hnlich blau.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.schantall-und-scharia.de\/tagesschau-perspektiven\/\"><em>schantall-und-scharia.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 11. Mai 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu einseitig, zu stereotyp, zu proisraelisch. 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