{"id":12799,"date":"2023-03-21T09:12:00","date_gmt":"2023-03-21T07:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=12799"},"modified":"2023-03-21T10:19:47","modified_gmt":"2023-03-21T08:19:47","slug":"bankenkrise-in-der-schweiz-vergesellschaftung-statt-monsterkoloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/backup.maulwuerfe.ch\/?p=12799","title":{"rendered":"<strong>Bankenkrise in der Schweiz: Vergesellschaftung statt Monsterkoloss!<\/strong>"},"content":{"rendered":"<p><em>BFS Z\u00fcrich.<\/em><strong> Seit Sonntag, 19. M\u00e4rz 2023 ist klar, dass die kriselnde Schweizer Grossbank Credit Suisse von der Konkurrentin UBS \u00fcbernommen wird. Dieser neue Monsterkoloss ist aber nur zustande gekommen, weil einmal mehr der Schweizer Staat in die Bresche springt und somit die Lohnabh\u00e4ngigen von der Regierung verpflichtet werden, f\u00fcr einen Teil der Verluste<\/strong><!--more--> <strong>einer Grossbank aufzukommen. Die Bev\u00f6lkerung bezahlt also f\u00fcr das Versagen der Banken und sichert die Bonis und Dividenden der Verantwortlichen des Kollapses.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Keine Sozialisierung der Verluste: Wir zahlen eure Krisen nicht!<\/strong><\/p>\n<p>Am Sonntagabend gaben der Schweizer Bundesrat, die Spitzen von Nationalbank und Finanzmarktaufsicht (Finma) sowie die beiden Pr\u00e4sidenten Axel Lehmann (CS) und Colm Kelleher (UBS) bekannt, dass die Credit Suisse f\u00fcr drei Milliarden Franken geschluckt wird. M\u00f6glich wurde die \u00dcbernahme allerdings nur, weil der Bund der UBS Garantien in der H\u00f6he von 209 Milliarden Franken ausstellte. Mit neun Milliarden beteiligt sich die \u00f6ffentliche Hand an den Verlusten der CS und 200 Milliarden werden den beiden Banken als Kredite zur Verf\u00fcgung gestellt, f\u00fcr die zu jeweils der H\u00e4lfte der Bund und die Nationalbank b\u00fcrgt. Das heisst, es werden allf\u00e4llige Kreditausf\u00e4lle \u00fcbernommen, welche insbesondere dann wahrscheinlich werden, wenn sich die in den USA nach dem Bankrott Silicon Valley Bank begonnene Finanzkrise weiter ausweitet. Die Konsequenzen f\u00fcr die private Abzockerei zahlen also einmal mehr die Lohnabh\u00e4ngigen mit ihren Steuergeldern. Dar\u00fcber wird es in den n\u00e4chsten Monaten zur Entlassung von \u00fcber 10\u2019000 Angestellten kommen, darunter wohl auch Dutzende Lernende, die nicht von der UBS \u00fcbernommen werden.<\/p>\n<p>Der Verwaltungsrat und die Manager:innen der CS haben wiederum nichts zu bef\u00fcrchten, obwohl sie einen global agierenden Finanzkonzern an die Wand gefahren und in den letzten zehn Jahren 3,2 Milliarden Franken Verluste geschrieben haben. In derselben Zeitspanne hat die CS dutzende Milliarden an Boni ausbezahlt. So viel zu \u201eunternehmerischer Verantwortung\u201c. Der Gipfel der Frechheit ist, dass die CS gleich nach der \u00dcbernahme durch die UBS angek\u00fcndigt hat, auch weiterhin Boni auszuzahlen. Die n\u00e4chste Runde \u201aBereicherung auf Kosten der Allgemeinheit\u2018 steht bereits am 24. M\u00e4rz an.<\/p>\n<p><strong>Der b\u00fcrgerliche Rechtsstaat ist eine Farce<\/strong><\/p>\n<p>Es ist zudem bemerkenswert, wie wenig R\u00fccksicht die Schweizer Beh\u00f6rden auf ihren eigenen Rechtsstaat nehmen, wenn ihre Freund:innen aus der Privatwirtschaft in Bedr\u00e4ngnis geraten. Wie schon bei der Rettung der UBS 2008 hat der Bundesrat per Notrecht \u00fcber Parlament und Bev\u00f6lkerung hinweg die Rettung der CS beschlossen. Die Wettbewerbskommission, die in der liberalen Logik solche Fusionen kontrollieren und Monopolbildungen bek\u00e4mpfen sollte, wurde auf einen Beobachterstatus degradiert. Und das Aktion\u00e4rsrecht wurde kurzerhand ausgehebelt, um ein Veto der Bankaktion\u00e4r:innen zu verhindern.<\/p>\n<p>Gerechtfertigt wird das undemokratische Man\u00f6ver von den Protagonist:innen und den b\u00fcrgerlichen Politiker:innen mit der Finanzmarktstabilit\u00e4t, die durch einen unkontrollierten Kollaps der CS gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. Die Schweizer Beh\u00f6rden h\u00e4tten gar keine andere M\u00f6glichkeit gehabt, als die CS mit \u00f6ffentlichen Geldern zu retten, weil man sonst ein globales Erdbeben an den Finanzm\u00e4rkten riskiert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Die kapitalistischen Sachzw\u00e4nge \u2013 und nicht etwa unbestimmte Elitenkreise, wie es Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen nahelegen wollen \u2013, nehmen die Bev\u00f6lkerung wie schon bei der Rettung der UBS 2008 in Geiselhaft. Finanzmarktstabilit\u00e4t ist auch nur ein anderes Wort f\u00fcr die Garantie der Konzernprofite und die Bereicherung der Reichen.<\/p>\n<p><strong>Ein Untergang mit Ansage<\/strong><\/p>\n<p>Der Untergang der CS ist das Ende einer langen Kette von Skandalen, Korruption und selbstverschuldetem Verspekulieren in den letzten Jahren.<\/p>\n<ul>\n<li>In der Spygate-Aff\u00e4re 2019 wurde bekannt, dass der damalige CS-CEO Tidjane Thiam den Chef der Verm\u00f6gensverwaltung Iqbal Khan bespitzeln liess aus Angst, dieser nehme vertrauliche Informationen mit zu seinem neuen Arbeitgeber (der UBS).<\/li>\n<li>2021 und 2022 verspekulierte sich die CS und machte bei der Pleite der US-Hedgefonds Archegos (2021) und der Finanzfirma Greensill (2022) Milliardenverluste.<\/li>\n<li>In den \u201eSuisse Leaks\u201c enth\u00fcllten Journalist:innen 2022, wie die CS bis heute Diktatoren und Verbrecher:innen als Kund:innen hofiert und ihnen beim Verstecken und Waschen ihrer Gelder hilft.<\/li>\n<li>Schliesslich f\u00fchrten die kriminellen Praktiken der CS dazu, dass sie in mehreren F\u00e4llen gerichtlich verurteilt und zu Bussen und Schadensersatzzahlungen in Milliardenh\u00f6he verpflichtet wurde, weil sie ihre Sorgfaltspflicht vernachl\u00e4ssigt und dadurch Geldw\u00e4scherei und Steuerhinterziehungen erm\u00f6glicht hatte.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dies alles f\u00fchrte dazu, dass die Kund:innen ihre Gelder von der CS abgezogen haben und die Bank trotz vorhandenem Eigenkapital Liquidit\u00e4tsprobleme bekam und schliesslich Gefahr lief, ihren laufenden Verpflichtungen nicht mehr nachkommen zu k\u00f6nnen. Und trotz all dieser Skandale besitzen sowohl der CS-Pr\u00e4sident Lehmann als auch die Schweizer Beh\u00f6rden die Frechheit, an der Pressekonferenz am 19. M\u00e4rz zu behaupten, dass vor allem \u201eGer\u00fcchte auf Sozialen Medien\u201c Schuld am Kollaps der CS gewesen seien.<\/p>\n<p><strong>Konzentration des Kapitals<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur die Sozialisierung der Verluste ist typisch daf\u00fcr, wie im Kapitalismus mit wirtschaftlichen Krisensituationen umgegangen wird. Jede Krise f\u00fchrt auch zu einer weiteren Konzentration und Zentralisation des Kapitals. Die sterbenden Wirtschaftszweige und Unternehmen werden eliminiert, gleichzeitig aber werden neue Investitionen mittels direkter oder indirekter staatlicher Hilfsgelder durchgef\u00fchrt. Firmen werden aufgekauft und ihre Marktanteile einverleibt. Dadurch k\u00f6nnen die \u201eHerrscher des Marktes\u201c (hier: die UBS) noch mehr Reichtum und Macht in ihren H\u00e4nden konzentrieren. St\u00e4ndig versuchen sie, ihre Produktivit\u00e4t (Erh\u00f6hung der G\u00fcterproduktion oder Dienstleistung innerhalb einer gegebenen Zeit) sowie ihre Rentabilit\u00e4t (Profitrate) zu steigern. Durch die \u00dcbernahme der CS entsteht nun ein Finanzkoloss, der erst recht \u201etoo big to fail\u201c sein wird. Daran \u00e4ndern auch die Beteuerungen der Schweizer Beh\u00f6rden nichts, dass die erweiterte UBS ihr Eigenkapital nochmals erh\u00f6hen m\u00fcsse und die staatlichen Regulierungen des Finanzmarktes nochmals versch\u00e4rft werden sollten. Dass diese Regulierungen bei Grossbanken Papiertiger bleiben, zeigt ja genau der Kollaps der CS, der laut den seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007\/08 aufgestellten Anforderungen an Banken eigentlich gar nicht mehr h\u00e4tte passieren sollen.<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die Vergesellschaftung des Finanzsektors!<\/strong><\/p>\n<p>Der Bundesrat hat gezeigt, dass es einer Regierung grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich ist, rasch zu handeln und Milliarden locker zu machen, wenn\u2019s brennt und sich beispielsweise der Untergang einer der gr\u00f6ssten Klimas\u00fcndern des Landes, der CS, abzeichnet. Der Klimastreik Schweiz fragte in den Sozialen Medien deshalb zu Recht, ob denn unsere Lebensgrundlagen nicht auch \u201etoo big to fail\u201c seien? Gleichzeitig zeigt das Verhalten des Schweizer Staates, dass dieser eben nicht ein neutrales Gebilde ist, welches man mal f\u00fcr eine Bankenrettung, mal f\u00fcr die Rettung des Klimas einsetzen kann. B\u00fcrgerliche Staaten inkl. Parlament und Regierung sind im 19. und 20. Jahrhundert entstanden, um den privaten Unternehmen m\u00f6glichst profitable Wettbewerbsbedingungen zu erm\u00f6glichen, und nicht um den Lohnabh\u00e4ngigen ein m\u00f6glichst sorgen- und arbeitsfreies Leben in Einklang mit der Umwelt zu bescheren. Das ist bis heute nicht anders.<\/p>\n<p>Deshalb ist es der v\u00f6llig falsche Ansatz, wenn linke Parteien nun dazu aufrufen, es den B\u00fcrgerlichen in den Nationalratswahlen \u2013 also innerhalb des b\u00fcrgerlichen Parlaments \u2013 im Herbst heimzuzahlen. Was wir ben\u00f6tigen ist der Aufbau einer gesellschaftliche Gegenmacht: Wir brauchen eine breite soziale Bewegung, die mit den Spielregeln der Herrschenden bricht und das Privateigentum der Konzerne strategisch ins Visier nimmt. Die UBS und CS investier(t)en Milliarden in fossile, klimasch\u00e4dliche Unternehmen und Projekte. Dadurch verursach(t)en die zwei Grossbanken einen doppelt so grossen CO2-Ausstoss wie die restliche Schweiz. Den Banken muss also die Entscheidungsgewalt \u00fcber die Investitionen entzogen werden. Der Bankensektor geh\u00f6rt enteignet und in den Dienst der Gesellschaft und des sozial-\u00f6kologischen Umbaus der Wirtschaft gestellt.<\/p>\n<p><strong>Wir zahlen nicht f\u00fcr eure Krisen: CS und UBS enteignen!<\/strong><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr die Vergesellschaftung des Finanzsektors und einen \u00f6kologisch-sozialen Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft!<\/strong><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/arbeit\/2023\/bankenkrise-in-der-schweiz-vergesellschaftung-statt-monsterkoloss\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 21. M\u00e4rz 2023<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFS Z\u00fcrich. Seit Sonntag, 19. 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